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Quelle: Salzbergener Bote 11/2008
Christopher Hüls berichtet:
Bolivien lässt mich so schnell nicht mehr los. Die Überdosis von Eindrücken und Erlebnissen muss ich erst mal verkraften.
Ich war ein Jahr als „Missionar auf Zeit“ in Bolivien. Dort habe ich als Aushilfslehrer an einer Grundschule die Arbeit von katholischen Schwestern unterstützt. Der Start in Bolivien war für mich schwierig. Ich konnte Spanisch weder sprechen noch verstehen, mir kam die bolivianische Kultur völlig fremd vor und viele gewohnte Dinge aus Deutschland habe ich vermisst. Anfangs war der Unterricht mit den Kindern eine große Herausforderung. Jeden Morgen hatte ich eine kleine Gruppe von Schülern aus der zweiten Klasse, die in Mathe Schwierigkeiten hatten. Das waren meistens die Kinder, die unter großen Konzentrationsschwierigkeiten litten und alles andere als lieb und brav waren. Und ich konnte noch kein Spanisch und war völlig auf mich allein gestellt. Je schneller ich jedoch die Sprache beherrschte, desto effektiver wurde meine Arbeit mit den Kindern.
Das Projekt der Schwestern liegt in Tarija, ganz im Süden Boliviens. Sie unterstützen dort eine staatliche Schule. Diese Schulen besuchen meistens Kinder, deren Familien sehr arm sind. Die Klassen sind viel zu groß und die Lehrer zu schlecht ausgebildet. Mit dieser Situation sind Kinder und Lehrer häufig völlig überfordert. Da kommt gerade den Lehrern jede Hilfe recht. Die Schwestern holen morgens Kinder mit Schwierigkeiten aus der 1. und 2. Klasse ab. Sie erteilen ihnen Nachhilfeunterricht und entlasten somit auch die Lehrer. Auch ich hatte die Verantwortung für solch eine Lerngruppe, allerdings nur für das Fach Mathe. Die Kinder haben wir im Klassenraum im Haus der Schwestern unterrichtet. Dort gibt es vor allem viel Platz und die Möglichkeit, konzentriert und in Ruhe zu lernen. Mit den Spenden aus Salzbergen und Holsten-Bexten konnte ich den Unterricht immer weiter verbessern. Besonders hilfreich waren Rechenmaterial, verschiedene Lernspiele und Bücher. Eine wichtige Rolle spielte dabei immer, dass ich mich zu jeder Zeit auf professionelle Hilfe aus Deutschland verlassen konnte.
Das Schulsystem in Bolivien ist ziemlich altmodisch und von ständigen Streiks der Lehrer gebeutelt. Wenn sich die politische Lage im Land wieder einmal aufheizte, streikten eigentlich auch immer die Lehrer Das bedeutete unterrichtsfrei. Die Schwestern und ich haben in solchen Fällen trotzdem Nachhilfe angeboten, um den Launen von Politik und Lehrern ein wenig Widerstand zu leisten. Durchschnittlich fiel innerhalb eines Monats mindestens für eine Woche der Unterricht wegen eines Streiks aus. Nach meinem Kulturschock in Bolivien schockte mich auch die Rückkehr nach Deutschland.
Viele, die schon mal ein Jahr im Ausland verbrachten, sagen, dass die Eingewöhnungsphase genauso lange braucht wie die Zeit, in der man eigentlich weg war. Und so geht es mir auch. So schnell wird mich Bolivien und alles, was damit verbunden ist, nicht loslassen. Über meine Erfahrungen in Bolivien möchte ich gerne an folgenden Terminen berichten:
In Salzbergen: Donnerstag, 30. Oktober um 20.15 Uhr (nach der Hl. Messe) in der Arche, Kirchplatz 8a
In Holsten-Bexten: Mittwoch, 5. Novernber um 19.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus, Feldstraße Infos gibt es auf meiner Homepage: www.projekt-tarija.de
Christopher Hüls |