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Palliativstation ist keine Endstation

Quelle: Salzbergener Bote 11/2008

Mitgliederversammlung Hospiz-Team Abendstern e. V.

Stellen Sie einen Kranken nicht auf ein Tablett, nehmen Sie ihm nicht alles ab, ersticken Sie ihn nicht in Liebe! Ein schwer kranker Mensch wünscht sich Normalität, keinen Sonderstatus!

Das unterstrich Diplom-Psychologe Dr. Lud­wig Althaus, der auf der Mitgliederver­sammlung des Hospiz-Teams Abendstern e. V. im Kulturkeller Salzbergen zum Thema „Psychologie in der Hospiz- und Palliativ­medizin“ referierte. Dr. Althaus ist Psycho­onkologe im Mathias-Spital Rheine und verwies darauf, dass die Psychoonkologie zwei Ziele verfolge: Den Erhalt der Lebensqualität und die Lebensverlängerung. In der Pallia­tivmedizin bedeute dies, dem Patienten die Lebensfreude trotz oder mit seiner Erkran­kung zu erhalten. „Die Palliativstation ist entgegen weit verbreiteter Meinung nicht die Endstation“, so Dr. Althaus. Die Diagnose einer unheilbaren Erkrankung wie z. B. Krebs löse im Kopf des Betroffenen sofort den Gedanken „Tod“ aus. Dieser trete jedoch oft erst Monate oder gar Jahre nach der Diagnose ein, so dass der Tod nicht im Mittelpunkt der Palliativmedizin stehe. „Natürlich erleben wir auf der Palliativstation auch traurige Fälle, aber es wird viel gelacht“, so der Psychologe, der die vier wesentlichen Bereiche vorstellte, die einem Menschen in schwieriger Situation helfen, statt eines Wartens auf den Tod die Lebenslust zu be­halten.

„Sprechen Sie offen über „negative“ Gefühle“, so Dr. Althaus, der die Hospizler darauf hinwies, dass alle Regeln auch auf die Hospiz­arbeit übertragbar seien. Angst und Depres­sionen seien angesichts einer unheilbaren Krankheit durchaus angemessen, das Beja­hen dieser Gefühle sorge für seelische Ent­lastung, die Angst werde so kleiner und beherrschbarer. Zur Unterstützung der Schmerztherapie und zur Linderung von Therapienebenwirkungen sei das Erlernen eines Entspannungsverfahrens wie z. B. des autogenen Trainings wichtig, das Muskel­grundspannung senke und die Blutgefäße erweitere.

„Formulieren Sie realistische Perspektiven“, appellierte Dr. Althaus weiter. Die Kon­zentration auf kurzfristige Ziele stärke die Lebenskraft und damit das Immunsystem. Außerdem gelte es, die Angehörigen in die Zielsetzung mit einzubeziehen. Diese sollen den Kranken nicht bremsen, sondern un­ter­stützen und dabei auch in Gesprächen keine Schwellenangst vor den heute tabuisierten Themen „Krank­heit und Tod“ haben. Aber auch die Angehörigen seien in einer Extrem­situation und dürften ihre eigenen Bedürfnis­se nicht hinten anstellen, so Dr. Althaus, der die Hos­pizler einlud, die Palli­ativstation zu besuchen und sich selbst ein Bild zu machen.
Der Vorsitzende des 66 Mitglieder zählenden Hospiz-Teams Abend­stern, Helmut Heitz, verwies abschließend auf zurzeit elf Sterbe- und eine Trauer­begleitung. Aufgrund neuer Kurse für Sterbebegleitung und Trauerarbeit sei es wünschenswert, wenn weitere Personen Interesse daran hätten, dem unentgeltlich und überkonfessionell arbeitenden Aktiven­kreis beizutreten.

 
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